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Missionar – Zeuge der Liebe und Barmhherzigkeit

testimonianza-deubZuerst einmal möchte ich mich gerne vorstellen: Ich bin Pater Alois Höllwerth und komme aus Österreich. Schon bald sind es zwei Jahre seitdem ich zum Priester geweiht wurde. Wie komme ich dazu als Missionar in Peru tätig zu sein und dort in den Anden den Indios das Evangelium zu verkünden?  Vor etwas mehr als zehn Jahren bin ich auf die Rundbriefe der Bewegung der Missionare Diener der Armen gestoßen. Damals suchte ich meine Berufung. Ich fühlte mich sofort angesprochen von den Zeugnissen der vielen jungen Menschen, die aus allen möglichen Ländern nach Peru gekommen sind, um dort den Armen zu dienen. Dazu kamen die ermutigenden Worte von Pater Giovanni Salerno, dem  Gründer dieser Bewegung, erfüllt von der Freude, die nur Menschen ausstrahlen, die ganz Ja gesagt haben zur Nachfolge Christi.

Seit meiner Bekehrung hatte ich das Verlangen das, was Gott mir durch die Gabe des Glaubens geschenkt hat, anderen weiterzugeben. Ich machte mich also auf, um ein Erfahrungsjahr als Bruder in Peru zu wagen. Ehrlich gesagt hatte ich damals keine konkreten Vorstellungen, was ich dort in Peru in dieser missionarischen Bewegung vorfinden werde; im Kopf hatte ich nur die Bilder aus den Berichten der Missionare, die ich gelesen hatte. Zuerst aber ging es nach Toledo ins Ausbildungshaus für die Priester, um meine Spanischkenntnisse aufzufrischen und auch die Bewegung besser kennenzulernen, bevor ich in Peru das eigentliche Erfahrungsjahr als Missionar begann.

Das Angesicht des Elends

Nach einigen Wochen kam der Tag, wo ich nach Peru aufbrach. Noch nie war ich in einem Land Südamerikas gewesen  und das Elend dieser armen Länder kannte ich nur aus den Bildern vom Fernsehen. Als ich in Lima ankam, sah ich in den Elendsvierteln eine unvortsellbare Armut. Sehr viele der Menschen, die in diesen Elendsvierteln Limas leben, kommen aus den abgelegenen Andendörfern in der Hoffnung in der Hauptstadt ein neues, besseres Leben zu finden, besonders jüngere Menschen. Für die meisten verwirklicht sich dieser Traum nicht. Das war meine erste Begegnung mit den Armen Perus, und es erschien mir noch wie ein Blick aus der Ferne. Ich fühlte mich irgendwie wie ein Tourist, der etwas zu sehen bekommt, was er eigentlich nicht sehen sollte. Nach wenigen Tagen kam ich ans eigentliche Ziel meiner Reise: nach Cusco. Dort wurden wir von den Patres, Brüdern und einer großen Kinderschar willkommen geheißen. Die Kinder waren sehr neugierig und bombardierten mich mit vielen Fragen: „Woher kommst Du? Wie heißt Du? Wie lange bleibst Du bei uns?“ Um nur einige der vielen Fragen aufzuzählen. Ich hatte Mühe zu verstehen! Am Anfang musste ich lernen, die vielen Gesten und Gewohnheiten zu verstehen, die mir unbekannt waren. Das geschah durch viele Familienbesuche.

Die Missionare sind immer willkommen in den armseligen Hütten der Familien. Bei diesen Besuchen sah ich die Armut dieser Menschen und die  Indios erzählten uns auch von ihren Leiden und von ihrem Elend. Oft finden wir Kinder oder alte Menschen völlig verwahrlost in diesen armseligen Hütten. Viele Familien leben auf einem Wohnraum, der nicht einmal so groß war wie das Zimmer, das ich in meiner Heimat zurückgelassen hatte. Das wahre Angesicht des Elends in Cusco aber sind die vielen Kinder, die auf der Strasse leben.

…umsonst sollt ihr geben

Als Missionare Diener der Armen sind wir gerufen diesen armen Kindern zu helfen. Dafür hat die Bewegung zwei Wohltätigkeitsschulen eröffnet: „Santa Maria Goretti“ für die Mädchen und „Francisco y Jacinta Marto“ für die Buben. Am Nachmittag wird in den „talleres“, den Werkstätten, eine Berufssausbildung angeboten. Das Lehrpersonal und die Werkstättenleiter sind ausgebildete Indios, die Aufgabe von uns Patres und Brüdern besteht vor allem in der geistlichen Betreuung. Mehrmals am Tag versammeln wir alle Kinder zum gemeinsamen Gebet und bei besonderen Gelegenheiten zu einer kurzen Katechese. Aber auch den Rest des Tages verbringen wir gemeinsam mit den Kindern. In der Erziehung folgen wir dem Präventivsystem des heiligen Don Bosco, dabei kommt es besonders darauf an, die Kinder und Jugendlichen immer zu begleiten. Der Bruder dient vor allem als Vorbild und er sollte die Kinder durch geduldiges Anleiten und durch ständiges Begleiten vor den möglichen Gefahren schützen. Viele der Kinder kommen ja von der Strasse und es fällt ihnen schwer in der Schule aufmerksam dem Unterricht beizuwohnen oder geduldig in den Werkstätten eine Arbeit zu erlernen. Viele der Kinder sind leider auch zuhause oder auf der Strasse mit viel Unmoralischem und mit Gewalt konfrontiert worden. Das hat tiefe Wunden zurückgelassen. Diese Wunden, wenn sie nicht geheilt werden, führen dazu, dass sie später selbst ein Leben der Gewalt und der Unmoral führen. Wir sind uns bewusst, dass nur Jesus der Heiland, der Retter, diese Kinder heilen und sie von den Sünden befreien kann. Es ist die Aufgabe des Missionars ein Werkzeug in den Händen Gottes zu sein, um den Armen und besonders den Kindern ein neues erfülltes Leben zu vermitteln.

Während des Erfahrungsjahres war ich meistens mit den „Internos“, den Waisenkindern, die wir in unserem Missionszentrum aufgenommen hatten, beschäftigt. Im Umgang mit diesen Kindern  wurde mir bewusst wie viel ich von Gott geschenkt bekommen habe und wie egoistisch es ist, in den heute so verbreiteten Kategorien wie Selbstverwirklichung zu denken. Mir scheint im Gegenteil der beste Lebensgrundsatz zu sein: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ , und der gilt für jede Berufung.

Vergesst nicht zu beten!

Eine Erfahrung aus diesem ersten Jahr bleibt mir unvergessen: kurz vor Pfingsten rief uns, drei Brüder im Erfahrungsjahr, P.Giovanni zu sich und er sagte:  „Zu Pfingsten werdet ihr alleine in ein abgelegenes Andendorf gehen, um dort mit den Indios Pfingsten und die darauffolgende Woche zu verbringen.“ Wir schauten uns fragend an: „Wir, was können wir den Armen schon geben? Wir sprechen ja nicht einmal die Indiosprache!“  Aber P.Giovanni bestand darauf, dass wir allein in dieses Dorf gehen sollten.

„Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein!“ Diese Woche war für uns eine besondere Gnade. Alles war erfüllt von der Einfachheit der Begegnung mit der Dorfbevölkerung.  Den Morgen verbrachten wir mit den Kindern in der Schule mit Katechese und verschiedenen Spielen. Die kleine Kapelle, unserer lieben Frau vom Rosenkranz geweiht, wurde für eine Woche zum Zentrum des Dorfes. Wir waren erstaunt wie viele der Indios unsere Einladung annahmen und zu den Gebetszeiten am Morgen und am Abend kamen. Am Ende der Mission wollten wir das Dorf gar nicht mehr verlassen. Und trotz des Erfolges dachten wir darüber nach, dass das Wichtigste gefehlt hat: wie gerne hätten wir diesen Menschen Jesus in den Sakramenten geschenkt. Alle drei haben wir über eine mögliche Priesterberufung nachgedacht. Das war auch der Sinn dieser Mission. P.Giovanni wollte, dass wir die geistige Verwahrlosung, aber auch die Sehnsucht so vieler Indios, die in den weit abgelegenen Dörfern Leben, kennenlernen. Das war für uns wie ein „Treibstoff“, um unserer Berufung zu folgen.

Aus all diesen Erfahrungen ist meine Berufung gewachsen, dafür möchte ich den Armen und besonders den Kindern danken, denn sie haben mir die Kraft gegeben, dem Ruf Gottes zu folgen. In manchen Momenten der Traurigkeit und Entmutigung haben sie mich durch das einfache Lächeln, trotz des vielen Elendes, ermutigt weiter zu gehen. Am 03. Juli 2011 wurde ich zum Priester geweiht und ich hoffe, als Priester meiner Berufung als Missionar Diener der Armen immer treu zu bleiben. Bitte vergesst nicht für die Missionare zu beten und wenn jemand die Berufung spürt selbst Missionar zu werden, um Christus in den Armen zu dienen, dann kann ich ihm nur raten nicht lange zu warten, sondern schnell dem Ruf Gottes zu antworten: die Armen brauchen Dich!

P.Alois Höllwerth msp